Der Outdoorkletterschein Sächsischer Sandstein

In den Jahren vor 2012 hat sich unserer Meinung nach sukzessive eine Kultur des »Babysittingkletterns« etabliert, die sich zum einen nicht mit unseren Vorstellungen des Sächsischen Kletterns und zum anderen nicht mit der Gewährleistung von sicherem Klettern in der Gruppe vereinbaren lässt.

Gemeint ist damit die Vorstellung, dass Kinder mal eben schnell zum Klettern gebracht (abgegeben) werden und nach einer festgelegten Zeitspanne an einem festgelegten Treffpunkt wieder unversehrt abgeholt werden. Klettern ist dann gleichberechtigt wie Flötenunterricht, Fußball, Reiten und Schwimmen.

Diese Einstellung ist aber schwierig mit dem Klettern am Sächsischen Sandstein vereinbar, wo es auf vieles mehr ankommt, als die blanke physische Anwesenheit. Klettern im Sächsischen Sandstein ist und bleibt risikoreich, woran auch die Aufsicht von gut ausgebildetem Fachpersonal nichts ändert.

Deshalb haben sich Übungsleiter der DAV-Sektion Zittau zusammengesetzt und diesen Vorschlag zur Einführung des »Outdoorkletterscheins Sächsischer Sandstein« (OSS) erstellt.

Zielstellung:
Die Zielgruppe sind, wie oben angerissen, Kinder und Jugendliche, die am gemeinsamen »Draußen-Klettern« unserer DAV-Sektion teilnehmen möchten. Uns geht es darum, dass wir beim Klettern in der Gruppe ein Mindestmaß an Sicherheitstechnik und Verständnis für das Zusammenwirken von Mensch und Natur beim Klettern erwarten können.

Zur Verdeutlichung ein (konstruiertes) Beispiel:
Klettern am Falkenstein; Zwei Übungsleiter; 10 Kinder/Jugendliche; eine Abseilöse; genügend Seile. Da die Kinder/Jugendlichen nicht vorsteigen können/dürfen/möchten ist es die Aufgabe der Übungsleiter einige Touren einzurichten und dann dort Kinder nachzuholen. Da wir im Sächsischen Sandstein unterwegs sind, fällt Topropeklettern von vornherein aus. vgl. »Sächsische Kletterregeln«

Die Kinder müssen also mit den beiden Vorsteigern zu zwei 6er-Seilschaften aufgeteilt werden. Das Problem verschärft sich:
wenn beide Vorsteiger oben sind können sie nicht die Einbindeknoten der Nachsteiger kontrollieren. Es bleibt zu hoffen, dass die Nachsteiger den Knoten beherrschen (was bisher nicht immer der Fall war). Durch die hohe Anzahl der Nachsteiger dauert eine Tour 1,5 Stunden.

Bereits nach einer Stunde sind schon dunkle Wolken am Himmel zu sehen und man hört es donnern. Jetzt gilt es den geordneten Rückzug anzutreten, 10 Leute sind in kürzester Zeit sicher vom Gipfel nach unten zu bringen. Zu allem Übel ist das letzte Kind der Seilschaft noch in der Tour unterwegs und fängt wegen des Gewitters an zu schreien und zu weinen – es geht nicht vor und nicht zurück.
Es ist also kein Übungsleiter zur Verfügung, der das Einhängen der Abseilgeräte kontrollieren und Anweisungen geben kann. In diesem Falle wird es ganz schön knifflig und gefährlich.

Deutlich besser wären wir aufgestellt, wenn wir in gleicher Situation nur Kletterer dabei hätten, die als Inhaber des OSS ihr Können in den Bereichen »Knotenkunde«, »Sicherungstechnik« und »Abseilen« unter Beweis gestellt haben.

  • 1. Der Anseilknoten wird zum einen besser beherrscht, zum andern kann auch jeder der anderen Kletterer den Knoten kontrollieren, weil jeder weiß wie der Anseilknoten auszusehen hat.
  • 2. Wenn der erste Nachsteiger den Gipfel erreicht hat, kann er die Sicherung der nächsten Nachsteiger übernehmen und der Übungsleiter kann sich nach einer Kontrolle daran machen, eine weitere Tour einzurichten. Daher teilen sich die Nachsteiger auf vier Touren auf.
  • 3. Dadurch, dass ein beliebiger Nachsteiger, der bereits auf dem Gipfel ist, die Nachholarbeit übernehmen kann, hat der Übungsleiter die Möglichkeit sich zum verängstigten Kind abzuseilen und dieses aus seiner ausweglosen Situation zu befreien.
  • 4. Das Abseilen stellt keine besondere Herausforderung dar, jeder beherrscht das Abseilen, die anderen können das korrekte Einhängen des Abseilgerätes kontrollieren und gegebenenfalls intervenieren.
  • 5. Wenn die ersten Tropfen fallen sind alle in der Schutzhütte und die wartenden Eltern können ein Stück weit beruhigter sein, weil sie wissen, dass alle die in dieser Gruppe unterwegs sind über genug Wissen und Fähigkeiten verfügen im Notfall auch allein wieder heil vom Felsen herunter zu kommen bzw. sich gegenseitig dabei helfen können.


Die Umsetzung
Die Umsetzung sieht nun folgendermaßen aus:
bereits seit Anfang des Jahres 2012 sind die Kinder und Jugendlichen mit ihren Laufzetteln unterwegs und demonstrieren während des Hallentrainings die Anseilknoten, Sicherungsmethoden, das »Standplatzbauen«, Abseilen und auch das Seilwickeln unter den kritischen Blicken der Übungsleiter.

Am Ende der Hallensaison wird ein »Seminarwochenende« in der Jonsdorfer Hütte stattfinden, wo noch einige theoretische und auch praktische Einheiten vermittelt werden. Im Speziellen werden das folgende Punkte sein:
1. Erste Hilfe-Einheit von der Bergwacht
2. Orientierung mit Karte und Kompass
3. Naturschutz und Klettern
4. Überblick über die »Sächsischen Kletterregeln«
5. Schlingenlegen
6. Sturztraining
7. eventuell erweiterte Knotenkunde
8. Beantwortung von individuellen Fragen

Am Ende des Seminarwochenendes steht die Prüfung.
Nach bestandener Prüfung wird der »OSS« ausgehändigt.

Für dieses Wochenende wird ein Unkostenbeitrag von 50 Euro erhoben. Mit diesem sind Übernachtungskosten, Verpflegung sowie Prüfungskosten abgegolten.

Ab diesem Zeitpunkt gelten für das »Draußen Klettern« des DAV-Zittau folgende Regelungen:
- Es dürfen nur Kinder und Jugendliche, die im Besitz des »OSS« sind am Klettern teilnehmen.
- Es herrscht für ALLE Helmpflicht!


Wer also keinen »OSS« besitzt oder wer keinen Helm dabei hat, wird definitiv nicht mit klettern.

Wir freuen uns auf eine unfallfreie Saison mit vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen.


Die Übungsleiter
Viturix CMS