Seit 1991 gibt es wieder eine Alpenvereinssektion in Zittau

Nach der Wende 1989 waren die Bestrebungen für den Aufbau einer Alpenvereinssektion sofort vorhanden. Es musste aber erst einmal Klarheit über den Weg bestehen, der begangen werden sollte. So stand die Gründung eines eigenen Vereins oder der Anschluss an die bestehende österreichische Sektion „Warnsdorf/Krimml“ zur Wahl. Für „Warnsdorf/Krimml“ sprach die Geschichte, der Besitz der "Zittauer Hütte" und die bestehenden Mitgliedschaften einiger Bergfreunde. Für einen eigenen Verein sprachen die Berghütten in Jonsdorf und Hohnstein (Besitzverhältnisse), die zugesagte Unterstützung durch den Deutschen Alpenverein und natürlich die Nähe des Vereins zu seinen Mitgliedern. Als am 23.3.1991 in Zittau wieder eine Alpenvereinssektion gegründet wurde, waren 81 Berg- und Wanderfreunde gekommen, um die Tradition einer über 100- jährigen Geschichte fortzusetzen. Nach langer Diskussion und Abwägung entschied sich die Mehrheit der zur Gründungsversammlung anwesenden Bergfreunde für einen eigenen Verein mit dem Namen „Zittauer Bergsteigergemeinschaft e.V.“. 10 Bergfreunde fanden den Weg zur Sektion „Warnsdorf/Krimml“.
Nach vielfältigen Behördenstress mit Satzungsänderungen, Eintragung ins Vereinsregister und Erteilung eines Freistellungbescheides durch das Finanzamt waren weitere Hürden zu nehmen. So traten wir dem Landessportbund Sachsen, dem Kreissportbund Oberlausitz und dem Landesverband Sachsen des DAV bei.
Die Mitgliederzahlen entwickelten sich rasant.

1991
1992
1993
1994
1995
1996
193 Mitglieder
219 Mitglieder
303 Mitglieder
403 Mitglieder
591 Mitglieder
622 Mitglieder

 
 


Die 700 er Grenze wird momentan immer wieder mal über- oder unterschritten.

Nach der Öffnung der Grenzen wurden sofort Ziele in den Alpen angepeilt, denn man wollte endlich besteigen und erwandern, was man bisher nur aus Büchern kannte. So war klar, dass solche Gipfel wie Watzmann, Drei Zinnen, Matterhorn, Mont Blanc oder Biz Bernina und Großglockner an vorderster Stelle für Besteigungen standen.
Aber nicht nur die Alpen haben es unseren Mitgliedern angetan. So erreichten unsere Seilschaften in Ecuador den Cotopaxi (5896 m), und den Chimborazo (6267 m) oder in Kenia den Kilimandscharo (5895m). Einige Mitglieder waren in den Klettergebieten der USA, Grand Canyon und Yosemitte unterwegs. Nachwendehöhepunkte im bergsteigerischen Bereich waren die Bezwingung der Matterhorn Nordwand durch Thomas Meier und die Besteigung des Aconcagua (6959m), des höchsten Berges Amerikas; durch Ulli Nutschan, und das Ehepaar Voigt.
Aber auch die Jugend eroberte sich die Sportkletterparadiese in Italien, Spanien oder Frankreich. Die Leistungsgrenzen wurden dabei immer weiter nach oben geschraubt.

Was wäre aber ein Verein ohne seine Aktivitäten vor Ort. So entstand am Jonsdorfer Nonnenfelsenmassiv ein kleiner aber feiner Klettersteig. Die Kletterer aus Nah und Fern sind immer wieder begeistert von der herrlichen Lage. Sogar eine Hängebrücke ist vorhanden.
In der Zittauer Hauptturnhalle entstanden mehrere Kletterwände für Anfänger und schwerer kletternde Freaks. Durch engagierte Mitglieder entstand in Eigenbau ein kombinierter Hand-Schulterriss. Der Schulsport von 3 Zittauer Schulen nutzt die Wände und bringt uns Nachwuchs für die Sektion. Neben dem Training an der Kletterwand gibt es auch noch mehrmals in der Woche die Möglichkeit sich gymnastisch zu betätigen. Diese Angebote nutzen besonders die Frauen, aber auch einigen Männern bekommt die Gymnastik. Die „Alten vom Berge“ möchten ihre regelmäßigen Touren genau so wenig missen, wie die TGA-Gruppe ihr etwas schärferes wöchentliches Training.
Unsere Volleyballtruppe trainiert regelmäßig und scheut auch kleinere Vergleichswettkämpfe nicht.
Die Mountainbikegruppe wächst von Jahr zu Jahr und hat jetzt auch einen ausgebildeten Fachübungsleiter.
Die Oybiner Heimat- und Wandergruppe organisiert Fahrten in die Alpen, das „Arme Sünderfest“ oder das „Ostereiersuchen“.
Eislaufen und Inlineskaten sind genau so im Programm wie Gottis´ Radtour oder die alljährlich nur für das weibliche Geschlecht stattfindende Damenradtour. Video- und Vortragsabende zeigen, welche Touren unsere Bergfeunde unternommen haben und sind natürlich auch Anregung für manche Bergfahrt.
Ein besonderer Anlass sind immer die Siebentropffestspiele. Schon über 20 Jahre gibt es diese ulkigen Wettkämpfe, in denen meist der Glücklichere gewinnt. Zu Ernst sollte man diese Spiele nicht nehmen, denn hier steht eindeutig der Spaß im Vordergrund. Sonnenwendfeier, Abklettern und Lichtelabend sind auch schon viele Jahre Tradition, hoffen wir dass auch unsere Jugend daran festhält.
Die Mitarbeit unserer Mitglieder in der Klettertechnischen Abteilung ist auch schon über viele Jahre gewachsen. Neuanerkennung von Kletterwegen, Umstufungen von Schwierigkeiten, Festlegen von Sanierungsarbeiten, Auswechseln von Sicherungsringen und Gipfelbüchern sind nur einige der Aufgaben die zu erledigen sind.
Die vom Alpenverein initiierte „Aktion Sauberes Gebirge“ ist auch zur Regelmäßigkeit geworden. Hier versuchen wir mit all denen, die auch gern in unsere Berge gehen, etwas für die Sauberkeit auf Wanderwegen und rund um die Kletterfelsen zu tun. Es gibt ja leider immer noch so manchen Mitmenschen, dem egal wo er gerade steht, alles aus den Händen fällt. Die Zusammenarbeit mit der „Unteren Naturschutzbehörde“ hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Durch ein gegenseitiges Aufeinanderzugehen, Verstehen und Einhalten von maßvollen Beschränkungen sind wir auf einem partnerschaftlichen Weg. Das Einhalten von Horstschutzzonen, die Mitarbeit bei Erosionsverbauungen oder die Zuarbeiten zum Eulenprojekt zeigen, dass wir die Ursprünglichkeit und Schönheit unseres Gebirges erhalten wollen, so wie es auch in unserer Satzung steht.
Das Jahr 1999 war für unseren Verein nicht nur im Bezug auf die Mitgliederentwicklung ein erfreuliches Jahr, es konnte endlich auch der Grund und Boden, auf dem die „Jonsdorfer Hütte“ steht, gekauft werden. Das Besitz auch verpflichtet, dass erfährt jeder spätestens dann, wenn er die Einladung zum Hüttendienst erhält.

Ein weiterer Höhepunkt in dem kurzen Bestehen der Alpenvereinssektion seit der Gründung 1991 war die Mitgliederversammlung im Januar 2000. Nach mehreren Anläufen in den vergangenen Jahren wurde der neue Name „Sektion Zittau“ des Deutschen Alpenvereins e.V. beschlossen. Wir dokumentieren damit im Vereinsnamen, was wir schon lange sind, nämlich eine für alle offene Sektion im DAV, die sich zu ihren Traditionen bekennt. Was 44 Jahre lang durch staatliche Verordnung nicht möglich war, das wollen wir aufgreifen und fortführen, um die Begeisterung unserer Vorfahren für die Bergwelt auch unseren Kindern und Enkeln zu vermitteln.
Ausserdem wurde im Jahr 2000 eine Hüttenpatenschaft mit dem Alpinclub Berlin geschlossen.
In den Jahren 2003 und 2004 wurde vor der Jonsdorfer Hütte ein Kletterturm aus Sandstein und Beton gebaut. Hier kann man traditionell die Wand hinauf klettern oder auch dem Sportklettern frönen.

Die bisher größte finanzielle Last stemmte der Verein 2006/2007 mit dem Umbau der „Jonsdorfer Hütte“. Nach der Erneuerung des Daches ist nun eine Erweiterung der Hütte umgesetzt worden.

Gunter Haymann
Viturix CMS