Geschichte des Bergsteigens im Zittauer Gebirge

Die Ursprünge der Felsbesteigungen im Zittauer Gebirge reichen bis in das Jahr 1837 zurück. In jenem Jahr sprang ein polnischer Artist auf den Gipfel des Schluchtwächters am Berg Oybin, schnitzte ein Kreuz, schrieb seinen Namen darauf und brachte es auf dem Gipfel an, danach sprang er zurück.
Die erste nachweisbare Klettertour, damals noch mit künstlichen Hilfsmitteln datiert vom 10.11.1875 durch Gustav Jahn und Max Richter aus Grottau (heute Tschechien) mit der Besteigung des Hundsturmes (heute Nördlicher Uhustein). Als Zeichen ihrer Ersteigung hinterließen sie eine kleine Blechfahne auf dem Gipfel. Die Pioniere des Reichenberger Klettervereins (heute Liberec) um Adolf Gahler, die am 22.9.1885 nach der Ersteigung des Böhmischen Tors zu den Hundstürmen kamen, müssen nicht schlecht gestaunt haben, als sie die Zeichen des menschlichen Tatendrangs auf dem Gipfel sahen.
In den folgenden Jahren bestimmten besonders die Kletterer aus Zittau und Umgebung die Erschließung. Durch Mitglieder der Alpenvereinssektionen Reichenberg und Warnsdorf (mit Zweig Zittau) erfolgten die ersten Felsbesteigungen.

1898 Schalkstein
1905 Jonsdorfer Mönch
1906 Spitzstein
1907 Grenzkogel
1907 Mehlsack
1907 Weißbachturm
Gustav Lindner
Robert Häusler
Robert Häusler
Eduard König
Adolf Portsch
Rudolf Kauschka
Jonsdorf
Jonsdorf
Jonsdorf
Grottau
Grottau
Reichenberg


1909 gründeten die Kletterer Ernst Schulze und Hans Knobloch den KK Spitzsteiner. Sie waren Mitglieder des Zweiges Zittau im DÖAV Warnsdorf und gleichzeitig im Sächsischen Bergsteigerbund (SSB). Ernst Schulze aus Zittau war der Erstbesteiger vom Südlichen Uhustein (1909), Ernst Schulze Stein (1910) und den Zwillingen (1911). Otto Frenzel ebenfalls aus Zittau gelang 1910 die Besteigung der Krummen Tante und 1912 der Glocke.
Durch die Mitgliedschaft im SBB und die engen Beziehungen zu Kletterern aus dem Elbsandsteingebirge wurden die dortigen Kletterregeln auch zur Grundlage für das Klettern im Zittauer Gebirge.
Nach dem 1. Weltkrieg entstehen der „Kletterverein Oberlausitz“ (Alfred Hüttler) und die Bergsteigersektionen im Touristenverein „Naturfreunde“ (Siegfried Bartosch). Alfred Hüttler besteigt als erster die Barbarine (1921) und den Thielknopf (1924), Siegfried Bartosch mit Walter Thomas den Waltersdorfer Turm und den Mönchslochwächter (1926).

Am 20.4.1924 ist es Gerhard Grabs vorbehalten, mit dem Südriß auf den Ernst Schulze Stein , die erste VII a zu durchsteigen.
Albert Goldammer beschreibt 1936 in seinem Buch „Bergsteigen in Sachsen" erstmals 40 Kletterfelsen mit 58 Aufstiegen im Zittauer Gebirge. Im Jahr 1939 ist es Max Zimmer, der mit dem Talweg am Vergessenen Turm und der Ostkante am Ernst Schulze Stein die Schwierigkeit über die VII b bis zur VII c vorantreibt.
Während der Zeit des 2. Weltkrieges wurden nur wenige Erstbegehungen durchgeführt, darunter auch die Jubiläumsturm Ostkante VI von Detlef Schreiber und Peter Diener.
Erst nach dem 2. Weltkreig setzte durch die Einheimischen Siegfried Schreiber, Fritz Hübner, Heinz und Werner Keil eine breite Erschließertätigkeit ein. Die ersten fairen Besteigungen des Kelchsteines durch Siegfried Schreiber 1946 und Heinz Keil 1949 AW VIII a sind dabei Meilensteine.
Nach dem Krieg war in der Ostzone Deutschlands an eine Vereinsgrüngung oder Fortführung der Alpenvereinstraditionen nicht zu denken, so bildeten sich einzelne Seilschaften heraus. 1947 wurde um die Gebrüder Keil das „Kleeblatt“ gegründet, aus dem sich 1949 die „Kelchsteiner“ entwickelten. 1952 konstituierte sich die Sektion Touristik bei der BSG Motor Zittau und Fritz Hübner ließ die Traditionen des „Kletterklub Spitzsteiner“ aufleben. Horst Haufe und Georg Hilse gründten die Hurzelbrüder Olbersdorf und 1958 gründeten sich auch die Edelroller im Oberland. Der KK Spitzsteiner wurde 1960 durch die Sportfunktionäre und damals Mächtigen zerschlagen, so daß für viele Spitzsteiner die BSG Motor Heimstatt wurde.
Besondere Pionierarbeit leistete in den ersten Jahren nach dem Krieg Fritz Hübner. Zusammen mit Werner Messow und Werner Zscharn erschloß er solche Gipfel wie Drillinge, Schluchtwand und Habicht. In seinem 1952 herausgegebenen ersten Kletterführer des Zittauer Gebirges beschreibt er 53 Klettergipfel und 128 Aufstiege.
Die Zahl der großen Aufstiege steigt ständig. So gelingt innerhalb von wenigen Jahren der Sprung bis zur Schwierigkeit VIII c.

Glocke
Emporweg
Zwillinge
Reginakante
Waldtorwächter
Willi Hauptmann Weg

VII c

VIII a

VIII c

05.06.1955

21.08.1955

26.08.1957

Wilfried Zahn

Georg Hilse (heute 2 NR)

Heinz Urban


In den 60er Jahren werden viele Wege des Schwierigkeitsgrades VII erschlossen. Herausragend ein neuer Weg am Kelchstein, die Herbstvariante VIII b von Horst Umlauft. Neue Gipfel, wie Gratzer Höhle, Gratzer Felsen, Roter Turm, Töpfertürme, Brütende Henne, Zuckerhut und Emporturm wurden anerkannt. Erschließer waren hier Manfred Thiele, Wolfgang Glaser, Helmut Bardoux u.a.
1969 erscheint der Kletterführer „Zittauer und andere Gebirge“ in dem 78 Gipfel beschrieben werden. Das Autorenkollektiv mit Dietmar Heinike, Hans Pankotsch und Helmut Paul fungiert als Herausgeber.
1977 in der 2. Auflage sind 83 Gipfel und 1993 in einer Neuauflage schon 87 Gipfel beschrieben. Durch Manfred Thiele, Klaus Zimmermann und Dieter Pilz erfolgte die Zuarbeit für die Kletterwege des Zittauer Gebirges.
Ab Anfang der 70er Jahre rückte eine neue Generation von Kletterern in den Mittelpunkt. Die Steigerung der gemeisterten Schwierigkeiten fand ihren Ausdruck in solchen Wegen, wie

Zwillinge
Strapaze
Wetterstein
Milan Cerny Gedächtnisweg
Töpfertürme
Konkave Wand
Elfenturm
Orgelkante

IX a

IX a

IX b

IX c

22.06.1972

28.10.1973

17.10.1981

27.09.1981

Klaus Leupold

Frank Richter

Werner Schönlebe

Bernd Franze


Am 1.11.1981 war es dann endlich soweit, mit dem „Alten Traum“ an den Zwillingen wurde erstmals im Zittauer Gebirge der X. Grad gemeistert. Es war Werner Schönlebe vorbehalten, diesen Weg durch die 6o Meter hohe Nordwand der Zwillinge zu meistern. Am 28.6.1983 setzt er mit der „Trilogie“ an dem selben Fels mit einer X b noch eine Schwierigkeit drauf.
Zu den Extremkletterern dieser Jahre zählten neben Klaus Leupold, Frank Richter, Werner Schönlebe und Bernd Franze solche Kletterer wie Steffen Otto, Michael Urbczat, Jörg Sommer, Gerold Jähne, Uwe Schulze und Michael Urban.
Mit der Maueröffnung 1989 traten für viele Bergfreunde wieder die Alpen und das Hochgebirge in den Vordergrung, vielleicht wurde darum auch im Zittauer Gebirge nicht so viel geklettert. Seit 1991 gibt es auch im Zittau wieder eine Alpenvereinssektion, die „Zittauer Bergsteigergemeinschaft“, seit Januar 2000 „Sektion Zittau“. In Zusammenarbeit mit den Kelchsteinern Oybin und den Edelrollern aus dem Oberland werden die Klettergebiete des Zittauer Gebirges betreut.

Zu den in den 90er Jahren gemeisterten schweren Wegen gehören :

Elfenturm
Geschmeidigkeit in der kalten Jahreszeit
Mehlsack
Hattrick
Rabennest
Goodbye und Amen
Glocke
Wenn Träume sterben

X b

X a

IX b

IX a

Steffen Otto

Thomas Naumann

Jörg Teifel

Jörg Sommer und Michael Urban


Der XI. Grad ist im Zittauer Gebirge mittlerweile erreicht, und wer den Nachwuchs trainieren sieht, der ist sicher, daß unsere Jugend bald in noch schwierigere Bereiche vorstoßen wird.

Gunter Haymann
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