AN EINEM STRANG - Ein Erlebnisbericht.

Es ist Anfang September und wir sitzen auf warmen weichem Sandstein. Unsere Füße und Hände sind dreckig: Sand, Erde, Harz, Aluminiumstaub und Chalk – das Übliche. Und Schweiß. Über uns der blaue Himmel (wirklich, nicht nur für die Erlebnisberichtsromantik!) und vor uns die wunderschöne Aussicht auf die Burg Sloup mit dem Lausitzer Gebirge im Hintergrund. Postkartenatmosphäre vom Allerfeinsten. Und tatsächlich: Das Wetter ist super, die Leute nett und das Essen richtig lecker. Auf Tschechisch und Deutsch und auf Deutsch und Tschechisch besprechen wir das hinter uns liegende Wochenende und sagen und hören dabei in Varianten immer dasselbe: „Lasst uns das unbedingt wiederholen!“


Einige Wochen zuvor, der Sommer zeigt sich gerade wieder einmal von seiner besten Seite, ein Sonntagnachmittag der so recht nicht auf seinen Namen hören will, und wir sitzen auf nassem Sandstein zwischen Mönchsloch und Nonnenfelsen. In unseren Bäuchen schlummern Gulasch und biem‘sche Semmeknödel. Nicht nur derentwegen ist die Stimmung im Gegensatz zum Wetter wunderbar und kletterfreudig: „Wir freuen uns schon auf den zweiten Teil unseres Austauschs bei uns/euch in Tschechien!“
In zeitlich umgekehrter Reihenfolge stehen hier zwei Momentaufnahmen der beiden Kletterwochenenden in Jonsdorf und Sloup v Čechách. Um Rechenschaft darüber abzulegen, dass es menschlich, kulinarisch und bergsteigerisch gelungene Tage waren, die unbedingt wiederholenswert sind, könnten diese Zitate schon ausreichen – es sollen aber noch ein paar Zeilen folgen, die allen, die nicht dabei sein konnten, ein nachträgliches Dabeisein ermöglichen.

Los ging alles mit einer guten Idee. Wichtig ist aber, dass solche dann auch tatsächlich umgesetzt werden. Überraschender als diese Binsenweisheit, wie einfach das ablief: Einige Zeit vor dem ersten Wochenende in Jonsdorf trafen sich die Betreuerinnen und Betreuer aus Deutschland und Tschechien im Zittauer Gebirge. Weil wir es für sinnvoller hielten, gemeinsam klettern zu gehen, als nur dazusitzen und die notwendigen Dinge abzusprechen, fuhren wir an das Hussittenriff. Im Falle mäßigen Wetters wäre das ja auch ein gutes Ziel für das Klettern mit der Gruppe.
Kletternd sprachen wir uns ab über Seilkommandos und wie die Jugendlichen sie zweisprachig lernen können, sprachen über abendliche Lagerfeuer und was es darüber zu brutzeln geben würde. Am Ende des Nachmittages hatten wir nicht nur ein gutes Gefühl, sondern auch eine ziemlich gute Vorstellung, wie die beiden Wochenenden aussehen werden würden.
Als hätte es keine Lücke zwischen diesem Planungstreffen und dem Juliwochende gegeben, sitzen wir am ersten Abend am eben noch geplanten Lagerfeuer. Es brutzelte. Und es brabbelte. (Wie so oft in der Grenzregion, war das Deutsch der Tschechen besser als andersherum.) Und es juckte auch schon ein bisschen in den Fingern – am meisten vielleicht bei den tschechischen Jugendlichen, die sich auf das felsige Neuland freuten.
Wir hatten uns gut kennengelernt, es hatte sich eine feine kleine Gruppe zusammengefunden. Das alles, es soll hier nicht unterschlagen werden, sehr zu Freude der Erwachsenen, die Hüttenruhe ausriefen, promptes Verkriechen auf den Hüttenboden beobachteten, und so die Möglichkeit hatten, die Lagerfeuerszene angemessen auszubauen und zu verlängern. (Hierzu geistig abzurufen: Gitarrenmusik und Gesang)


Nachdem frühmorgendlich eine unverzichtbare, aber eben doch zunächst fehlende, klebrig-braune Frühstückszutat im Jonsdorfer Einkaufsladen besorgt worden war, wurde ordentlich losgefrühstückt.
Wir mussten uns stärken, denn der erste Gipfel, den es zu erklettern galt, war der Feuerstein.
Wahrscheinlich haben wir mit unserem Besuch dem monumentalen Gipfel eines der Jahre mit den meisten Begehungen besorgt. Möglich sogar, dass es die größte Menschenansammlung zur gleichen Zeit seit der Erschließung war. Einen Superlativ hat das Austauschprojekt also schon am Tag 1 hervorbringen können. Hierfür gab es natürlich einen Grund: Auf der Gipfel-Rampe konnten alle Teilnehmer*innen zusammensitzen, ohne dass es dafür besonderer Seiltechnik oder Akrobatik bedurft hätte. Das Ergebnis, ein wunderbares Gruppenfoto, kann sich wohl sehen lassen.


Es wurde dann auch noch an den höheren Wänden des Hussittenriffs und -turms und der Bergfreinadel geklettert. So war der Tag schneller vorbei, als wir Sandstein/piscovec sagen konnten und wir fanden uns an der Hütte in Jonsdorf wieder. Mit der Dunkelheit kündigte sich auch schon an, was viele von uns gern verdrängt haben: Regen. Erst durch das offene Dachbodenfenster spürbar und am nächsten Morgen unübersehbar. Mist.
Es ging am zweiten Tag also in die Plaste zum Klettern. Richtig cool dabei war allerdings zu sehen, um wie viel besser es sich noch einmal beim Bouldern zusammenkommen lässt. Weil die Zittauer noch etwas vom Jonsdorfer Gebiet zeigen wollten, ging es nach dem Mittagessen wenigstens noch einmal auf eine kleine Wanderung durch die Nonnenfelsen.


Sloup begrüßt uns dafür in ganz entgegengesetzter Weise: Es ist warm und war zuvor tagelang trocken gewesen! Doch diese Randbedingungen für ein gutes Kletteraustauschwochenende allein tragen ja nur ganz gering zu dessen Erfolg bei. Wichtiger – wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, weiß schon Bescheid, ist die Nahrungsversorgung! Und hier gab es eine echte Überraschung: Noch nicht einmal den Rucksack aus dem Kofferraum gehoben, duften uns schon selbstgemachte Kuchen und Kekse entgegen. Noch einmal ein riesiges schmatzendes Dankeschön dafür!
Die Gruppe bezieht die ebenso riesige Unterkunft und wir setzen uns an das obligatorische Lagerfeuer, um die neu Hinzugekommenen kennenzulernen und die nächsten Tage zu besprechen.
Und ja, es brutzelte auch wieder. Es folgte auch noch eine Überraschung, nämlich handgemachte Perlenarmbänder für alle Teilnehmer*innen! Sportlich wurde es noch beim Schwimmen im nahegelegen See (oder zumindest beim Weg dorthin). Ausklingen konnte der Abend dann beim gemeinsamen Kletterfilm schauen, womit für ausreichend Motivation für den kommenden Klettertag gesorgt war. Es geht die Legende um, dass es bei den Betreuer*innen auch wieder etwas später wurde, als bei den Jugendlichen.


Am ersten Klettertag an den Felsen von Sloup gab es vor dem ersten Felskontakt eine wichtige Einführung in die Besonderheiten des Kletterns vor Ort, die sich so zusammenfassen lassen: Nach dem dritten Mal überlegen, ob der Fels vor der kletternden Nase wirklich als Griff angepackt werden will, unbedingt noch ein viertes Mal nachdenken! Und mit den Füßen genau dasselbe!
Nach dem ganzen Überlegen winken und rufen wir uns schließlich von zwei im Tal gegenüberstehenden Gipfeln, der Freiheitsstatue/Socha svobody und dem Türkenkappel/Kiefernturm/Turecká hlava aus zu. Für manche unter uns ging es übrigens nicht nur kletternd sondern auch springend zum Gipfel der Freiheitsstatue/Socha svobody. Das war für einige eine ganz schöne Überwindung.

Am Nachmittag stand wieder der See auf dem Programm und da wir alle ziemlich viel Hand und Fuß an den Fels gelegt hatten, schliefen wir schon bald in süßen Träumen. Das Sandmännchen konnte sich seinen Besuch allerdings sparen, da der Fels ja, wie schon beschrieben, sehr aufgeschlossen war.

Knall-hart war der Fels dafür am zweiten Tag und zwar aus einem ungewöhnlichen Grund und auf zwei Weisen: Wir kletterten in einem alten Steinbruch, der auch für einige Zeit als Schießstand genutzt worden ist (das ist der Knall) und in dem nun die Outdoor-Kletterhalle unserer tschechischen Freunde eingerichtet ist. An den Spuren der Projektile und vielen künstlichen Griffen geht es sonst glatte und perfekt senkrechte Wände hinauf, in denen in Schlüsselstellen kein Schummeln möglich ist (und das ist hart).


Vor allem aber lässt es sich umgeben von den drei Wänden wunderbar als Gruppe klettern, weil man nie weit voneinander weg ist. Zur Perfektion treiben lässt sich das Erlebnis mit der Nutzung der in der Mitte dieser Outdoor-Halle befindlichen Feuerstelle: Die ersten Ringe waren noch nicht geklinkt, da brutzelten schon Zwiebeln in zwei Kesseln und schmatzten schon die ersten Münder in Vorahnung des leckeren Gulaschs.


Die Unterarme wurden immer dicker und die Zeit nun leider auch nicht mehr und so wanderten wir zum Nachmittag noch auf den Aussichtspunkt über dem Dorf Sloup, dessen Ausblick ganz am Anfang dieses Berichts stand.
Vorbei. Schade, denn das waren zwei wunderbare Wochenenden!

Es ist Anfang Oktober und wir sitzen in holzumrahmter Geselligkeit bei Wein und Brot in einer warmen Stube oberhalb von Novy Bor. Vom Schwitzen und Baden der Septembertage ist nur noch die Erinnerung übrig, denn draußen kündigt sich die kalte Jahreshälfte in jugendlicher Frische an. Wir schmieden Pläne für den Winter (gemeinsames Klettern in der Plaste? Langlaufausflug?) und den nächsten Sommer – wir wollen gern spontane Aktionen versuchen, legen aber sicherheitshalber schon mal eine gemeinsame Fahrt in den fränkischen Kalk zu Beginn der tschechischen Sommerferien fest. Hoffentlich ist es bald soweit.

Ein Nachsatz im Advent: Da der goldene Herbst dieses Jahr vollständig ausgefallen ist und daher die letzten Klettermeter in der Erinnerung ungefähr in den Zeitpunkt der Geschichte rücken, als Menschen das Internet noch für eine vorübergehende Modeerscheinung hielten, mag dieser Bericht an manchen Stellen und bei manchen Menschen wehmütige Gefühle auslösen.
Das war Absicht.
Aber es gibt auch Erbauliches zu vermerken: Erstens geht die Rede um vom besten Winter seit Jahren und zweitens - für diejenigen, die lieber barfuß klettern wollen, sollten die Tage auch in diesem Jahr ab 21.12. wieder länger werden.

Nick


Was der Schreiberling dieses Berichts nicht wusste, ist der nicht zu verachtende und deshalb wenigstens hier zu erwähnende Bürokratische Aufwand, der hinter diesen wunderbaren Erlebnissen steht:
Diese Austauschwochenenden wurden gefördert durch den Fonds für regionale Entwicklung der Europäischen Union und durch das Kooperationsprogramm Freistaat Sachsen – Tschechische Republik 2014-2020 „Ahoj sousede. Hallo Nachbar.“
Damit einher gehen natürlich viele Stapel Papier, Anträge, Formulare, Listen etc. Für die Stunden die dafür von unserem Vorstand und unserem tschechischen Vorbereitungsteam geleistet wurden, möchte ich mich hier besonders bei Bernd Stieler, Petra Sochova, Vladia, Honza, Roman und Karina bedanken.




Viturix CMS

Neues von Stephan Isensee (Isee)



Hier gehts zum "Projekt Tre Cime"
Viturix CMS

Postkarte aus China

Nicht mehr ganz taufrisch aber trotzdem schön:


Viturix CMS

Das war Peter Brunnert im Weißbachtal

Viturix CMS

Sportlerball 2011

Am 28. März 2011, zwei Tage nach der Ehrung der "Sportler des Jahres 2011" durch die Sächsische Zeitung standen gleich zwei Vereinsmitglieder des DAV-Zittau auf der SZ-Lokalseite. Anne Hösel verpasste (mit nur 21 Stimmen zuwenig) den 3. Platz der Kategorie "Populärste Nachwuchssportlerin" und Dr. Helmut Reichel wurde beim Sportlerball für sein Lebenswerk geehrt.

Viturix CMS

Gunter Haymann bekommt Auszeichnung in Gold

Im Zuge der Verabschiedung des langjährigen
1. Vorsitzenden des DAV-Zittau, Gunter Haymann (links im Bild), aus seinem Amt, bekam er die Ehrennadel in Gold des Landessportbundes Sachsen vom neuen
1. Vorsitzenden Bernd Stieler (rechts im Bild) verliehen.

Bereits seit 1990 lenkte Gunter Haymann die Geschicke des Zittauer DAV als 1. Vorsitzender. Während dieser langen und erlebnisreichen Zeit setzte er viele wichtige Meilensteine für die Vereinsgeschichte des DAV-Zittau von denen hier einige stellvertretend genannt werden sollen:
  • Gründung der "Sektion Zittau im Deutschen Alpenverein e.V." aus der "ZBG"
  • Ausbau der Klettermöglichkeiten in der Osthalle der Zittauer Hauptturnhalle
  • Bau des Kletterturmes vor unserer Hütte in Jonsdorf
  • Sanierung und Erweiterung der Jonsdorfer Bergsteigerhütte
  • Einrichtung des Klettersteiges am Nonnenfelsen
  • Erarbeitung einer Chronik der Bergsteigergeschichte im Zittauer Gebirge

In den sieben Wahlperioden seiner Vorstandsarbeit wuchs die Mitgliederzahl von anfangs 75 auf heute 750.

Für all diese Leistungen und sein großes Engagement möchten wir unserem Sportsfreund Gunter Haymann danken.
Viturix CMS

Jahreshauptversammlung 2011 neuer Vorstand gewählt

Am 9.3.2011 fand die Hauptversammlung des DAV-Zittau in der Jonsdorfer Bergsteigerhütte statt. Das wäre ja an sich nichts Ungewöhnliches, nur dieses Mal wurde ein neuer Vorstand gewählt.

Der langjährige 1. Vorsitzende Gunter Haymann kandidierte nicht mehr für den Vereinsvorsitz, die Schriftführerin Anke Franze kandidierte auch nicht mehr für ihr Amt und auch im erweiterten Vorstand gab es einige Veränderungen.

Der neue Vorstand wurde einstimmig gewählt und sieht nun folgendermaßen aus:
1. Vorsitzender: Bernd Stieler
2. Vorsitzender: Götz Knüpfer
Schatzmeisterin: Karina Kuppe
Schriftführerin: Viola Schmidt
Jugendwart: Oliver Johne
1. Beisitzer: Dieter Donath
2. Beisitzer: Arnim Schüller

Viturix CMS

Das war der DAV-Zittau Oldieabend...


Die Bilder sagen alles über einen gelungenen Abend mit viel Musik und einem unterhaltsamen Ossi-Quiz. Ein Dank dem Getränke- und Verpflegungsteam. Weiterhin auch Dank an die Unterstützung durch die Fischerchöre für die umfangreichen Preise. Laut Veranstalter sind noch reichlich Preise vorhanden somit sind weitere Oldieabende nicht in Gefahr.

Mit freundlichen Grüßen Der DAV-Zittau Pressefotograf
Viturix CMS

40 Jahre Jonsdorfer Hütte

Am 7.7. feierten wir auch das 40-jährige Bestehen der Jonsdorfer Hütte. Nachdem Jürgen Kriebel die wichtigsten Momente aus dem Bau und der Geschichte der Hütte erzählt hatte, gab es genug Zeit, um bei Kaffee und Kuchen zusammenzusitzen und sich Geschichten von früher zu erzählen.
Dieses Jubiläum zog Gäste von nah und fern an. So waren z.B. einige Mitglieder des Alpinclubs Berlin, aber auch Freunde aus Tschechien und Vertreter aus der Politik gekommen.

Das große Highlight des Abends war der Lichtbildervortrag von Bernd Arnold "Felsenheimat Elbsandstein".
Bernd nahm uns mit auf eine virtuelle Ballonfahrt über die Felsen der Sächsischen Schweiz. Wir erlebten wichtige Ereignisse in der Entwicklung des Sächsischen Kletterns in Wort und Bild.
Der Hohnsteiner Extremkletterer weckte mit Witz und seiner ruhigen Art bei vielen Zuschauern Erinnerungen an Erlebnisse aus vergangenen Tagen. Natürlich machte der Vortrag auch Lust auf neue Abenteuer in der "Sächsischen Felsenheimat".
Viturix CMS

An der Neugersdorfer Htte 1957

Am 14. August 2007 sollen die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Neugersdorfer Hütte am Krimmler Tauern stattfinden. Leider ist die Hütte, obwohl seit Jahren schon nicht mehr benützt, noch immer vom italienischen Zoll beschlagnahmt. Sie sollte schon längst dem Alpenverein Südtirol zurückgegeben werden. Zurückblickend fällt mir ein Erlebnis ein, das ich am 13. August 1957 bei unserer Wanderung über den Krimmler Tauern hatte, damals nicht wissend, dass wir, drei junge Studenten, gerade rechtzeitig zum 50. Jubiläum an der Hütte vorbeikamen.

Vom Krimmler Tauernhaus durchs Windbachtal kommend waren wir kurz vor Mittag über den Krimmler Tauern gewandert und wollten, die Neugersdorfer Hütte links liegen lassend, zur Trinksteinhütte absteigen, um dann zur bewirtschafteten Lenkjöchlhütte aufzusteigen. Kaum waren wir unterhalb der Neugersdorfer Hütte, da kamen von dort Pfiffe einer Trillerpfeife, und laut gestikulierend stürmten drei Alpini, oder waren es Zöllner, zu uns hinab. Wir zeigten zwar unsere Reisepässe, aber die Herren bedeuteten uns mit gekreuzten Händen „passporto nix gut, krrr via Brennero“. Deutsch konnten sie nicht, da an der Grenze entlang nur Süditaliener stationiert waren, damit sich nur ja keine Verbrüderung anbahnt. Wir dachten nun, das Schicksal würde uns jetzt genau so treffen, wie wir es schon von anderen gehört hatten, nämlich: nach Bruneck abgeführt, dort zwei Tage eingesperrt, und dann über den Brenner abgeschoben zu werden. Zunächst wurden wir aber zur Hütte hinaufgeführt. Man ließ sich Zeit, denn es war gerade Mittag, und das Mittagessen ist den Italienern heilig. Drei hungrige Studenten schauten dem Speisen zu, offensichtlich mit so hungrigen Augen, dass wir schließlich eingeladen wurden mitzuhalten. An der ganzen Wand entlang standen Chiantiflaschen, und so gab es auch für uns einen guten Schluck, wenn auch nicht von einem Südtiroler Wein. Der wohl frühere Gastraum machte einen sehr ungepflegten Eindruck, die Vertäfelungen waren schon herausgerissen. Nach dem Essen wurden die Herren zugänglicher, vielleicht auch, weil wir uns einige Brocken Italienisch zurechtgelegt hatten. Wir durften den Lausitzer Weg Richtung Birnlücke gehen, aber nur ja nicht ins Ahrntal absteigen.

Mit einem großen Scherenfernrohr beobachtete man uns auf dem ganzen Weg. Wir sahen bald rechter Hand die Ruinen der früheren Birnlückenhütte und waren froh, als wir an der Birnlücke wieder ins Salzburgische absteigen konnten. Freund Bobby konnte es sich hier aber nicht verkneifen, auf den letzten italienischen marmornen Grenzstein einen wenn auch etwas unappetitlichen braunen Kringel zu scheißen. So etwas sollte man nicht tun, und so entlud sich bald über uns ein kräftiges Gewitter, und wir kamen am frühen Abend gewaschen wieder im uralten ehrwürdigen Krimmler Tauernhaus an.

Die Zeiten haben sich zum Glück von Jahr zu Jahr gebessert. Im Jahre 1981 konnte ich schon mit meinen Töchtern Annette und Barbara eine herrliche Durchquerung der östlichen Zillertaler Alpen unternehmen: Gerlospass – Zittauerhütte – Richterhütte – Neugersdorfer Hütte ( diesmal standen dort nur freundliche Zöllner ) – Lausitzer Weg – Birnlückenhütte – Warnsdorfer Hütte – Krimml. Und nach Südtirol zieht es mich jedes Jahr, um von Rein aus Touren zu unternehmen. Hoffentlich erlebe ich es noch, dass die Neugersdorfer Hütte eine gastliche Hütte des Alpenvereins Südtirol wird. Die Zeit drängt, ich bin nun über siebzig, aber ich freue mich schon auf eine Nacht auf der Neugersdorfer Hütte, auf den Blick hinüber zur Rötspitze und zur Dreiherrnspitze.


Diesen Erlebnisbericht schickte uns 2007
Karl-Friedrich Kürten.
Dankeschön.
Viturix CMS